26.10.2026

Einladung zum Kunstprojekt FALLING FROM THE SHOULDERS OF GIANTS: COLD FEET – LONG ARMS

EINLADUNG

26. Oktober 2026, um 18 Uhr


NEUE VORFAHR:INNEN: Die Potsdamer Dichterin Jutta Petzold:
"Die Mauern sie können nicht tauschen"
Ines Geipel im Gespräch mit Verena Voigt M.A., GFZK e.V.


Digitalvilla am Hedy-Lamarr-Platz,
Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Prozesse & Systeme,
Karl-Marx-Str. 67, 14482 Potsdam
Anmeldung: kontakt@verena-voigt-pr.de

Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte e.V., Potsdam https://www.gesellschaft-fuer-...

Ian Keaveny aka crash stop, New Ancestors, Jutta Petzold, 2025

Keaveny aka crash stop, New Ancestors, Jutta Petzold, 2025 

Jutta Petzold (1933–2020) gehört zu den lange übersehenen Stimmen einer nicht-kanonischen Widerstandskultur der DDR. Nach einem missglückten Fluchtversuch 1961 zählt sie zu den Vertreter:innen der sogenannten Dritten Literatur, deren Werke außerhalb der offiziellen literarischen Öffentlichkeit entstanden und erst spät erschlossen und gewürdigt wurden. Die Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Ines Geipel sichert und erschließt Petzolds Nachlass. In der Digitalvilla liest sie aus neu edierten und rekonstruierten Texten und stellt eine Autorin vor, deren Werk von den Bedingungen des Schreibens unter politischem Druck, von Ausschluss und dem Kampf um eine eigene Sprache erzählt.


Die Veranstaltung ist Teil des Projekts NEUE VORFAHR:INNEN im Rahmen des zweijährigen Projekts FALLING FROM THE SHOULDERS OF GIANTS der GFZK e.V. Der Titel geht auf eine künstlerische Arbeit von Ian Keaveny zurück, der für das Projekt ein digitales Porträt Jutta Petzolds geschaffen hat. Das Gesicht erscheint darin nicht als geschlossenes Bild: Es vervielfacht und verschiebt sich, Oberflächen brechen ab, Fragmente überlagern einander. Die digitale Rekonstruktion wird selbst zum Bild einer prekären Überlieferung.


Für die Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte e.V. (GFZK) ist die Lesung Teil einer längerfristigen Auseinandersetzung mit komplexen Zensurregimen in Vergangenheit und Gegenwart. Eine bislang wenig bekannte biografische Spur führt dabei nach Potsdam: Jutta Petzold lebte 1949 für kurze Zeit in der Stadt. Der genaue Ort ihres damaligen Aufenthalts ist derzeit Gegenstand unserer Recherche. Perspektivisch verfolgt die GFZK die Idee, eine Straße oder einen Platz in Potsdam nach Jutta Petzold zu benennen – als Beitrag zu einer erweiterten Erinnerungskultur, die auch marginalisierte literarische Biografien sichtbar macht.


Im Zentrum der begleitenden künstlerischen Forschung steht Petzolds spätes, fragmentarisches Prosawerk. Ihre Sprache bewegt sich an den Grenzen von Ausdruck, Sinn und Form. Wörter kippen, Bedeutungen werden instabil, syntaktische Ordnungen brechen auf. Hier entsteht eine Verbindung zur Glitch Art: Nicht weil Petzolds Literatur nachträglich zu Glitch Art erklärt werden soll, sondern weil sich zwischen ihren sprachlichen Brüchen und der zeitgenössischen Ästhetik der Störung ein Resonanzraum öffnet.


Keavenys fragmentiertes digitales Porträt und Petzolds fragmentierte Sprache begegnen sich damit an einer entscheidenden Stelle: im Bruch. Was nicht vollständig rekonstruiert, geglättet oder in einen Kanon zurückgeführt werden kann, wird gerade in seiner Störung sichtbar.


PROGRAMM


16:00 Uhr | EBENE 1

Einführung zu den vier neuen Artefakten von OV [Operativer Vorgang]
Im Anschluss gehen wir gemeinsam in den Bierkeller für das Originalvideo OV [Operativer Vorgang] des Kollektivs GIANT GLITCHES (Michael Betancourt, Ian Keaveny, Niklas Washausen)
In Zusammenarbeit mit Vivian Mantz & dem Lehrstuhl der Ebene 1


Um 17.00 Uhr | Ebene 3

Führung durch die Digitalvilla zu den neuen Artefakten der GIANT GLITCHES.

Auf der Ebene Null zeigt Thomas Scheffer die Werkschau DAS SICHTBARE IST NICHT DAS MÖGLICHE.
Weitere Informationen zu THOMAS SCHEFFER.
DAS SICHTBARE IST NICHT DAS MÖGLICHE
Das Interview (25. September): https://youtu.be/SVlnXx8ZNMk



VERANSTALTUNGSPROGRAMM: NOVEMBER 2026


17. November in der Digitalvill
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LYRIK-PFLEGE: DIE RÜCKSEITE DER ERINNERUNG
Jutta Petzold – Von der verletzten Oberfläche zum textilen Archiv
Ein Stickworkshop mit Marie Kublik und Frida Teller
Anmeldung: kontakt@verena-voigt-pr.de

Die Diktatur schreibt sich in Körper und Biografien ein. Doch ihre Spuren lassen sich nicht unmittelbar aus den Körpern herauslesen. Ian Keavenys digitales Porträt Jutta Petzolds macht die Brüchigkeit historischer Rekonstruktion sichtbar. Marie Kublik und Frida Teller übertragen mit dem Konzept der LYRIK-PFLEGE ausgewählte Verse der Schriftstellerin auf historische Stoffe.


Die Nadel durchdringt das Gewebe und hinterlässt eine dauerhafte Spur – wird zur ambivalenten Praxis zwischen Verletzung und Fürsorge. Während auf der Vorderseite lesbare Schrift entsteht, bilden Fadenwege, Knoten und Vernähungen auf der Rückseite eine zweite Ordnung. Hier eröffnet sich ein Resonanzraum zur Glitch Art: Sichtbar werden die gewöhnlich verborgenen Bedingungen der Herstellung.


Die Rückseite dokumentiert nicht Petzolds historische Verletzungen, sondern unsere heutige Annäherung an ihr Werk. Bewahrung bedeutet hier nicht Heilung, sondern die Anerkennung dessen, was sich vollständiger Rekonstruktion und Lesbarkeit entzieht.

TEXT & KONZEPT: VERENA VOIGT M.A.

Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte e.V. (GFZK e.V.)
Kooperationspartner:
Digitalvilla, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Prozesse & Systeme, Potsdam.
Hedy-Lamarr-Platz, Karl-Marx-Str. 67
14482 Potsdam

Kontakt: M ++ 49 163 191 1669
Anmeldung erbeten unter kontakt@verena-voigt-pr.de


FALLING FROM THE SHOULDERS OF GIANTS: COLD FEET – LONG ARMS ist ein zweijähriges im Rahmen von "Von hier aus Zukunft – Kulturland Brandenburg 2026/2027" unterstütztes Kunstprojekt. Kulturland Brandenburg ist gefördert durch Mittel des Landes Brandenburg; mit freundlicher Unterstützung der brandenburgischen Sparkassen.

Kulturland Brandenburg