Digitale Prozesse

Schwerpunkte: ERP-Systeme, Machine Learning, Fluide Prozesse, Geschäftsmodelle, Plattformen, Entwicklungsprozesse, Wertschöpfungsnetze, Digitale Plattformen, Augmented Reality

Die Entstehung fluider Prozesse

Die Wertschöpfung in einer Organisation entsteht durch das jeweilige Prozessmanagement. Dabei trägt der klassische Zyklus aus Erhebung, Analyse, Konzeption und Umsetzung den entscheidenden Mehrwert für den Unternehmenserfolg. Durch die digitale Transformation ergeben sich für herkömmliche Geschäftsprozesse sowohl Chancen als auch Herausforderungen um in der produzierenden Industrie wettbewerbsfähig zu bleiben. Der permanente und beschleunigte Wandel erfordert nicht nur eine datenbasierte Integration der Abläufe sondern auch ein hohes Maß an Flexibilität und Selbstanpassung. Vor diesem Hintergrund fokussieren wir unsere Forschung auf sogenannte fluide Prozesse, die ausgehend von einem höheren Grad an Variabilität und Agilität in der Lage sind, durch Echtzeitdaten ihren eigenen Prozessablauf ad hoc anzupassen.

Das Herzstück: Betriebliche Anwendungssysteme

In Unternehmen und Organisationen aller Art und Größe spielen Betriebswirtschaftliche Anwendungssysteme, wie ERP und MES-Systeme eine bedeutende Rolle für den Wertschöpfungsprozess. Wesentliches Merkmal von ERP-Systemen oder Enterprise Resource Planning Systemen ist die Integration verschiedener Funktionen, Aufgaben und Daten in ein Informationssystem. Als Rückgrat moderner Unternehmen ermöglichen sie Effizienzvorteile durch Automatisierung und Analysemöglichkeiten. Die Forschungsgruppe Digitale Prozesse beschränkt sich jedoch nicht nur ausschließlich auf ERP-Systeme sondern befasst sich mit allen zur Leistungsunterstützung und -optimierung eingesetzten Systemen sowie deren Evaluierung, Einführung und Wartung.

ERP Einsatz: Entwicklung von Reifegradmodellen

ERP Einführungen stellen eine große organisatorische und auch kostenintensive Herausforderung für vor allem mittelständische Unternehmen dar. Entwickelte ERP Reifegradmodelle sollen daher helfen, den Projekterfolg zu sichern, indem gezielte Maßnahmen der jeweiligen Ausgangssituation des Unternehmens abgeleitet werden können. Die ERP Reife bezeichnet in diesem Zusammenhang den Grad an Erfahrungen im Betrachtungsfeld der unternehmensweiten betrieblichen Anwendungen.

ERP Funktionen, aktuelle Trends und Vergleich

Um den Einsatz von Anwendungssystemen real zu untersuchen, steht unser ERP Labor mit derzeit 6 ERP-Systemen inklusive verschiedener Branchenspezialisierungen für verschiedene Unternehmensgrößen zur Verfügung. Die Systeme werden eingesetzt um praxisnahe Abläufe aus unterschiedlichen Geschäftsbereichen zu präsentieren und dabei auf die Schwerpunkte in Auswahl, Einführung und Betrieb dieser Systeme einzugehen. In Kooperation mit Forschungspartnern beschäftigen wir uns mit der Zukunft von ERP- Systemen im Bereich mobiler Anwendungen, Cloud Computing sowie auch dem Nutzen von Integrationsansätzen und dem Management komplexer Anwendungslandschaften.

Die Verschmelzung von realer und virtueller Welt: Meta Organisationen in der produzierenden Industrie

Durch die Digitalisierung entwickelt sich auch die informationstechnische Vernetzung der Unternehmen mit ihren Zuliefern, Kunden und Geschäftspartnern zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Es entstehen Wertschöpfungsnetzwerke aus einer Vielzahl von wirtschaftlichen Partnern, die sich gegenseitig verständigen und Daten austauschen können. Man spricht von Meta-Organisationen, in denen sich kooperative und konkurrierende Entscheidungen unterschiedlicher Partner gegenseitig bedingen. Anstelle von klassischer Organisationsansätze aus z.B. Produktion, Beschaffung oder Verwaltung, verschwimmt hier das Entscheidungsspektrum. Unsere Forschung ist darauf ausgelegt, diese Abstimmungsprozesse und die damit neu entstehenden Geschäftsmodelle zu untersuchen sowie Methoden und Werkzeuge zu schaffen um diese gestalten zu können.

Digitale Plattformen als neuer Ordnungsrahmen für die digitale Ökonomie

Vom Online-Shopping, zur Wohnungsbörse bis zum Messenger-Dienst: Digitale Plattformen übernehmen wichtige Funktionen in Wirtschaft und Alltag und bieten neue Formen an Geschäftsmodellen. Charakteristisch für digitale Plattformen ist ihre Netzwerkstruktur, in denen systematisch Daten erfasst und verwertet werden. Auch hier stellt ein Akteur einen Dienst zur Verfügung und strukturiert damit die Abläufe bei anderen Partnern. Aufgrund gegenseitiger Interdependenzen kann sich das Prozessmanagement nicht nur auf die eigene Organisation beziehen, sondern muss Schnittstellen und Abläufe in anderen Organisationen mit berücksichtigen. Unsere Forschung fokussiert hierbei die Untersuchung einzelner Abstimmungsprozesse und entwickelt Methoden und Werkzeuge um diese neu zu gestalten.

Modellierung und Steuerung mit Augmented Reality

Die Digitalisierung führt nicht nur zu einer Zunahme an Komplexität innerhalb des Prozessablaufes, sondern stellt die Industrie 4.0 Umgebung zusätzlich vor die Herausforderung nicht intuitiver Produktionsvorgänge. Augmented Reality bietet hierbei eine Möglichkeit, die Blackbox des Prozesses zu überwinden, indem erweiterte Wissensinformationen, aktuelle Produktionsdaten oder Messwerte visualisiert werden. Durch die 3D Immersion im Modellierungsprozess entsteht dabei ein hoher Wissenstransfer, der über die Darstellung von 2D Modellen hinaus geht. Hinzukommend lässt die Verortung der Prozessaktivitäten im Raum ein neues Modellierungspotential entstehen, das bisher nicht verfügbar war. Ähnlich kann ein Wissenstransfer durch Augmented Reality während des fortlaufenden Produktionsprozesses für den menschlichen Mitarbeiter sichtbar gemacht werden. Prototypen werden hierfür am Lehrstuhl entwickelt und getestet.