Intentional Forgetting in Organisationen - Manuthetics

Hintergrund zum Forschungsprojekt

Im Zuge der Digitalisierung befindet sich die Arbeitswelt im Wandel. Die derzeitigen Veränderungen führen nicht nur zu einer Eingliederung neuer Technologien und Hilfsmittel in digitalisierte Produktionsprozesse. Vielmehr müssen NutzerInnen und Informationssysteme mit stetig wachsenden Daten- und Informationsmengen umgehen können. Willentliches, gesteuertes Vergessen wird damit zum funktionalen Gegenstück der Datensammlung und des Lernens. Die am Lehrstuhl Prozesse und Systeme durchgeführte Lernstudie Manuthetics ist in das DFG-Schwerpunktprogramm „Intentional Forgetting in Organisationen“ eingebunden und untersucht das intentionale Vergessen von überlernten, automatisch ablaufenden Routinetätigkeiten, die im Arbeitskontext von geschäftsprozessbezogenen Aktivitäten stattfinden.

Was ist Manuthetics?

Manuthetics ist ein wissenschaftliches Forschungsexperiment, das die Interaktionen eines Menschen im Produktionsprozess auf Basis einer realen, industriellen Produktion in der Fabrikfertigung untersucht. Das Produktionslabor des Forschungs- und Anwendungszentrum Industrie 4.0 bietet die Grundlage für das experimentelle Vorgehen des Projekts. Anhand einer simulierten Produktionsumgebung können Probanden zunächst einen Produktionsprozess erlernen, der in Folge der experimentellen Durchläufe auf unterschiedliche abhängige Variablen bezüglich der Vergessensleistung ausgewertet wird. Hierbei wird die Grundannahme getroffen, dass Verhalten durch Hinweisreize (retrieval cues), wie z.B. Checklisten oder eine Bedieneroberfläche, aktiviert wird.

Forschungsfragen und Ziele von Manuthetics

Die simulierte Produktionsstrecke soll erforschen, wie der Mensch mit Veränderungen im Produktionsprozess umgeht und wie man ihn dabei unterstützen kann. Es wird insbesondere untersucht, wie Produktionsprozesse und veränderte Arbeitsroutinen erlernt werden und unter welchen Umständen das Erlernte wieder vergessen wird. Anhand verschiedener Experimente wird zusätzlich getestet, welchen Anteil Belohnung, Bestrafung oder Zeitdruck an die Lernprozesse haben und wie retrieval cues (Hinweisreize) gestaltet sein sollten, um diese zu unterstützen.

Wie können Organisationen die Ergebnisse nutzen?

Veränderungen stellen nicht nur ein Problem des Neuen, sondern auch des Alten dar. Besonders im Kontext von routinisierten Handlungen werden MitarbeiterInnen oft rückfällig und neigen zu alten Arbeitsgewohnheiten. Erfolgreiche Veränderungen können folglich erst dann effektiv umgesetzt werden, wenn alte Routinen nicht mehr zur Anwendung kommen. Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts können jeden Arbeitskontext unterstützen, in dem das Verhalten von Individuen, Gruppen oder Organisationen bewusst verändert werden soll.

Projektpartner und Fördermittel

Das DFG-geförderte Schwerpunktprogramm „Intentional Forgetting in Organisationen“ besteht aus insgesamt neun Projekten unterschiedlicher Fragestellungen in diesem Kontext. Die Forschungsfragen und einzelne Projekte sind interdisziplinär angelegt und werden in Tandemprojekten aus verschiedenen Fachrichtungen erforscht. Der Lehrstuhl Prozesse und Systeme arbeitet als Projektteam zusammen mit dem Lehrstuhl für Wirtschaftspsychologie der Ruhr Universität Bochum.
Förderung: 2016 - 2019
Ansprechpartner: Christof Thim