Smart Travel

Hintergrund zum Forschungsprojekt

Durch die Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes sind seit dem 1. Januar 2013 neben Bahngesellschaften auch Busunternehmen im innerdeutschen Personenfernverkehr zugelassen. Seit diesem Zeitpunkt wuchs der Fernbusmarkt kontinuierlich an. Der Fernbusmarkt ist allerdings auch sehr wettbewerbsintensiv, was sich an diversen Marktaustritten zeigte. Eine Antwort auf die hohe Wettbewerbsintensität bietet die Verbesserung von Angebotsplanung, um die Nachfrage nach Fernbusverbindungen gezielt auszuschöpfen. Reiseintensive Ereignisse wie Festivals, Stadtfeste, Messen und Demonstrationen erhöhen die Nachfrage nach Personentransportkapazitäten. Eine zielgerichtete Analyse der Nachfrage würde es Fernbusunternehmen ermöglichen, das Angebot an Fernbusverbindungen entsprechend des Bedarfs anzupassen, um zusätzliche Umsätze zu generieren und die Marktposition zu sichern und auszubauen.

Forschungsvorhaben

Das Forschungsvorhaben greift ein aktuelles Problem der Wirtschaft auf. Kleine und mittelständische Fernbusunternehmen müssen zusätzliche Umsatzpotenziale nutzen, um im Wettbewerb mit großen Unternehmen bestehen zu können. Möglichkeiten bieten reiseintensive Ereignisse, welche eine große Nachfrage nach Fernbuskapazitäten verursachen. Für die Ausschöpfung der Nachfrage nach Fernbuskapazitäten ist es notwendig, die Nachfrage zukunftsorientiert zu analysieren. Informationen über die zukünftige Nachfrage sind im Web 2.0 - insbesondere in Social Media-Plattformen - vorhanden. Jedoch sind zur Nutzung von komplexen Web 2.0-Daten, die in Echtzeit generiert und analysiert werden, spezifische Software-Lösungen erforderlich. Insbesondere KMU benötigen ein unmittelbar einsetzbares Instrument, um mit begrenzten Erfahrungen und Ressourcen relevante Daten aufbereiten und nutzen zu können. Die zentrale Forschungsfrage lautete daher: Wie kann die Angebotsplanung von Fernbusunternehmen für reiseintensive Ereignisse durch die Anwendung von Big Data-Technologien zur Analyse von Web 2.0-Daten verbessert werden?

Forschungsziel

Ziel des Forschungsprojekts war es, eine Software-Anwendung zur Analyse von Web 2.0-Daten zu entwickeln, mit der Fernbusverbindungen zu reiseintensiven Ereignissen geplant und auf die Profitabilität hin geprüft werden können. Dabei ist der Begriff „Web 2.0“ auf die veränderte Nutzung von Internetinhalten in den letzten Jahren zurückzuführen. Im Rahmen von „Web 1.0“ verwendeten Internetnutzer Internetinhalte noch zur reinen Informationsbeschaffung und waren passive Empfänger von Informationen. Heute sind Internetnutzer im Rahmen von „Web 2.0“ aktive Mitgestalter von Internetinhalten, agieren selbstständig und produzieren Informationen für andere Internetnutzer.

Nutzen, Innovationsbeitrag und Anwendungsmöglichkeiten der erzielten Ergebnisse

Die Ergebnisse ermöglichen die aufwandsarme Integration zukunftsorientierter Nachfrageinformationen aus dem Web 2.0 in die Unternehmenspraxis. Die prototypische Software-Anwendung basiert auf einem Open Source Software-Paket, ist frei verfügbar, unabhängig vom verwendeten Betriebssystem und kann ohne Lizenzkosten verwendet werden. Mit Hilfe der Forschungsergebnisse können Fernbusunternehmen ihre Wettbewerbsposition sichern und ausbauen. Dies gilt insbesondere für KMU mit begrenzten Erfahrungen, Kapazitäten und finanziellen Mitteln. Für Fernbusunternehmen liefert das Forschungsergebnis folgende Innovationen: Die Integration von zukunftsorientierten Nachfrageinformationen zu reiseintensiven Ereignissen in die Angebotsplanung, eine allgemeine Verbesserung der Angebotsplanung durch die Nutzung von Web 2.0-Daten und eine Profitabilitätsanalyse für Fernbusverbindungen unter Berücksichtigung zukunstorienierter Nachfragedaten für reiseintensive Ereignisse.

Projektpartner, Fördermittel und Daten

Das AIF-geförderte Forschungsprojekt erfolgte in Zusammenarbeit des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik, Prozesse und Systeme der Universität Potsdam und der International Performance Research Institute gemeinnützige GmbH (IPRI).
Förderung: 2015 - 2017
Ansprechpartner: Prof. Gronau